Sicherheit kostet Geld

WITZENHAUSEN. Zur derzeitigen Struktur von 16 freiwilligen Feuerwehren in Kernstadt und Umland sieht Bürgermeisterin Angela Fischer (CDU) keine Alternative: eine Berufsfeuerwehr sei nicht realistisch, sagte sie in einem HNA-Interview.

Feuerwehren zusammenlegen, ja oder nein: Die Befürworter und Gegner liegen bei der Online-Befragung fast gleichauf. Überrascht Sie das?

Angela Fischer: Ja. Nach meinen Eindrücken aus den Jahreshauptversammlungen stehen gerade in den Ortsteilen die Menschen zu ihren Freiwilligen Feuerwehren und unterstützen diese durch die Mitgliedschaft im Verein. In der Kernstadt ist das anders. Vielen ist die Struktur anscheinend nicht bekannt und die Feuerwehr wird als allgemein "städtische Einrichtung" wahrgenommen. Hier sollten wir den Bürgerinnen und Bürgern deutlicher machen, dass der Brandschutz auch in der Kernstadt in ehrenamtlicher Verantwortung liegt. Die Feuerwehrfrauen und -männer sind sehr engagiert und hoch motiviert. Das sollte bei allen Debatten berücksichtigt werden.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende hat in der Etatdebatte die Frage aufgeworfen, ob wir uns 16 Feuerwehren leisten können. Sehen Sie derzeit Alternativen zur jetzigen Struktur?

Fischer: Die Berufsfeuerwehr ist sicher keine Alternative. Allerdings sind bei 16 Ortsteilen zum Beispiel die Investitionen in den Digitalfunk deutlich höher als bei Kommunen mit kleinerer Fläche und weniger Stadtteilen. Es ist die Aufgabe der städtischen Vertreter diese strukturbedingte Belastung deutlich zu machen, insbesondere wenn es um Fragen des Haushaltes und der Förderung durch Landesmittel geht.

Was lässt sich die Stadt den Brandschutz 2009 kosten?

Fischer: Bei Aufwendungen von 492 000 Euro und Erträgen von 112 500 Euro bleiben für die Stadt laufende Kosten von ca. 380 000 Euro für das Jahr 2009 nach Haushaltsplan. Dazu kommen die Investitionen in der Summe von 218 350 Euro zuzüglich der Anschaffung der Atemschutzgeräte.

Bevölkerungsrückgang auf der einen, Einsatzkräftemangel auf der anderen Seite: Könnte es langfristig nicht doch darauf hinauslaufen, dass es nur noch Schwerpunkt-Wehren (für jeweils mehrere Stadtteile) gibt?

Fischer: Das wird zu einem Problem werden, wie aus Pressemeldungen über Schließungen von Feuerwehrstandorten zu entnehmen ist. Die Tagesalarmbereitschaft wird in Witzenhausen mittlerweile durch die Zusammenarbeit mehrerer Wehren sicher gestellt, das ist der rückläufigen Zahl der Aktiven geschuldet. Wir - das heißt die Stadt und die Freiwilligen Feuerwehren - müssen stärker um ehrenamtliches Engagement und private Unterstützung werben.

Vom Schreibtisch aus kann nicht über die Zusammenlegung von Standorten entschieden werden. Für alle Bürger muss der Brandschutz gewährleistet sein. Dieser Anspruch kostet Geld. Dass Stadtverordnete auch diese Ausgaben kritisch prüfen ist ihre Aufgabe. Dazu sollten wir uns gemeinsam intensiv mit dem Thema befassen und auch den fachkundigen Rat der Feuerwehr einholen. Feuerwehren ist ein Thema, dass die Menschen interessiert - nicht erst, wenn es brennt. Die hohe Beteiligung an der Umfrage der Witzenhäuser Allgemeine bestätigt das. (W. Keller/HNA)


Abstimmung

Feuerwehren zusammenlegen, ja oder nein

Ja
Nein


(C) 2010 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken