Häufig ist die Gefahr unsichtbar oder auf den ersten Blick für Laien nicht erkennbar. Die Rede ist von gefährlichen Stoffen, die täglich von LKW oder der Eisenbahn transportiert werden. Die Liste dieser Stoffe ist sehr lang und ständig kommen neue hinzu. Man erkennt sie nur an den orangefarbenen Warntafeln, die an den Fahrzeugen oder Behältern zu sehen sind. Diese Transporte beinhalten nicht selten ein brisantes Gefahrenpotential. Kommt es bei einem Unfall zu einer Beschädigung der Transportbehälter entsteht in Kürze eine sehr komplexe und nicht zu unterschätzende Einsatzsituation für Polizei, Rettungsdienst, und besonders für die Feuerwehren. Ganz abgesehen von den am Unfall beteiligten Personen, Ersthelfern und Passanten.
"Drehbuch wie für einen Gruselfilm."
Ein Feuerwehrmann
Häufig wird erst nach Eintreffen der Fachleute der Feuerwehren die Gefahr anhand von Stofflisten und Kennzahlen ermittelt. Daraus ergeben sich dann erst wiederum die taktischen Maßnahmen für den weiteren Einsatzverlauf. Bis dahin vergehen nicht selten 30 bis 45 Minuten, Zeit in der sich ein gefährlicher Stoff ungehindert ausbreiten kann. Die chemischen Reaktionen dieser Stoffe mit den Medien Wasser, Luft und Feuer lesen sich teilweise wie das Drehbuch zu einem Gruselfilm. Daher ist es von besonderer Wichtigkeit, dass alle Einsatzkräfte, egal ob Polizei oder Rettungsdienst beim Eintreffen die Gefahren im Vorfeld richtig erkennen und erste entscheidende Maßnahmen treffen. Um genau das zu trainieren, haben Fachdienstleiter Claus Demandt und Ausbilder Jens Engelke, zusammen mit Polizeihauptkommissar Hans-Dieter Brübach, ein Konzept zur Früherkennung und Erstmaßnahmen bei Gefahrgutunfällen für die Polizei erarbeitet. Die beiden Feuerwehrleute betreuen das Gefahrgutkonzept der Feuerwehr Witzenhausen und gaben bisher ihr Wissen nur an ihre Feuerwehrkollegen weiter. Erst ein kleinerer Einsatz, bei dem ein unbekannter Stoff ausgelaufen war und sich die ersten Kräfte vor Ort unwissentlich im Gefahrenbereich aufgehalten haben, hat verdeutlicht, dass Aufklärung und Informationen entscheidend sind.
Verhaltensregeln In drei Schulungseinheiten soll den Polizeibeamten aus Witzenhausen unter anderem das richtige Vorgehen und die Erstmaßnahmen unter fachkundiger Anleitung vermittelt werden. Die Rückmeldungen auf diese Form der gemeinsamen Ausbildung stieß auf ein positives Echo und soll, nach Wunsch von Claus Demandt, auch auf die Rettungsdienste ausgeweitet werden. Bereits im April fand der erste Gefahrgut-Workshop mit den ersten sechs Beamten der Polizeistation Witzenhausen im Feuerwehrstützpunkt statt.
Neben theoretischem Wissen wird auch die umfangreiche Ausrüstung des für Gefahrguteinsätze konzipierten Fahrzeuges vorgeführt.
Als Produkt des Workshops wird es für den Funkstreifendienst ein Handbuch mit grundsätzlichen Verhaltensregeln und ersten Maßnahmen geben.
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